Was ich als Autorin in Paris gelernt habe
"Am Ende der Woche nahm ich viel mehr mit nach Hause als neue Impulse für mein eigenes Schreiben: Ich kehrte mit einem anderen Blick auf Geschichten zurück; mit einem neuen Verständnis dafür, wie sich Schreiben anfühlt." Das schreibt die Lektorin Bettina. Sie war im Juni 2026 bei der Schreibreise nach Paris mit dabei und berichtet in ihrem Blog von dieser Erfahrung.
Was ich als Autorin in Paris gelernt habe - von Bettina Verheyen
"Paris ist immer eine gute Idee“ – da stimme ich mit Audrey Hepburn zu hundert Prozent überein. Und diesmal führte mich die Reise nicht nur nach Paris, sondern auch zurück zum eigenen Schreiben. Ich wollte Gateless Writing kennenlernen – eine Methode, die Schreiben und wertschätzendes Feedback miteinander verbindet.
Am Ende der Woche nahm ich viel mehr mit nach Hause als neue Impulse für mein eigenes Schreiben: Ich kehrte mit einem anderen Blick auf Geschichten zurück; mit einem neuen Verständnis dafür, wie sich Schreiben anfühlt; und mit einigen Erkenntnissen, die auch meine Arbeit mit AutorInnen prägen werden.
[...]
Ein Woche lang wollte ich ganz bewusst meine „innere Quelle“, meinen „künstlerischen Brunnen“ füllen – die Begriffe stammen aus Julia Camerons legendärem Buch „Der Weg des Künstlers“. Paris ist dafür wie geschaffen! Darüber schreibe ich weiter unten.
Besondere Glücksgefühle hat es in mir ausgelöst, ausgerechnet in Paris an einem Schreibworkshop von Christine Kämmer teilnehmen zu können. Mein Autorinnen-Ich wurde gehegt und gepflegt. Es bekam Schreibimpulse, wurde an inspirierende Orte geführt, entdeckte neue Perspektiven und fand sich in der Gemeinschaft von anderen Schreibenden wieder … Herz, was begehrst du mehr?
Und dann war ich auch nicht mehr nur diejenige, die Rückmeldungen gibt. Ich war auch diejenige, die ihren Text vorliest. Diejenige, die gespannt darauf wartet, wie andere darauf reagieren. Die hofft, verstanden zu werden. Die sich fragt, ob eine Szene funktioniert. Und ich erinnerte mich daran, wie verletzlich sich das manchmal anfühlen kann.
Und ich erinnerte mich daran, wie verletzlich sich das manchmal anfühlen kann.Gleichzeitig machte ich eine Erfahrung, die mich nachhaltig beeindruckt hat: Beim Gateless Writing geht es zunächst nicht darum, Schwächen zu finden oder Verbesserungsvorschläge zu machen. Im Mittelpunkt steht wertschätzendes Feedback.
Als Christine Kämmer, die Gateless Writing direkt von Suzanne Kingsbury gelernt hat, uns gefragt hat, was wir uns von dem Workshop wünschen, habe ich gesagt: „meine eigene Schreibstimme neu entdecken“. Kaum ausgesprochen, merkte ich, wie wichtig mir dieser Wunsch eigentlich war. Meine Schreibstimme habe ich nämlich lange Zeit sträflich vernachlässigt. Habe sie anderen Anforderungen untergeordnet: dem wissenschaftlichen Schreiben an der Uni, dem journalistischen Schreiben im Beruf und später auch den Erwartungen an eine Ghostwriterin untergeordnet.
Gatesless Writing, im Deutschen auch als „Schreiben ohne Schranken“ bezeichnet – wobei es sowohl um äußere als auch um innere Schranken geht – hat sich als wirklich hilfreiche Methode erwiesen.
Erst mal entspannen!
Zu Beginn jeder Schreibeinheit steht eine kurze Entspannungsübung. Das macht Sinn, denn dadurch kommt man viel leichter zu sich und kann im Folgenden auch authentischer schreiben.
Kleiner Impuls, gefällig?
Wer möchte, kann sich von einem Schreibimpuls inspirieren lassen, der am Ende der Entspannungsübung gegeben wird. Wer das Bedürfnis verspürt, etwas ganz anderes zu Papier zu bringen, macht genau dies.
Geschützter Raum, begrenzte Zeit
Nun haben alle fünfzehn bis zwanzig Minuten Zeit in Stille und bestenfalls von Hand zu schreiben. Ohne Schranken, ungehemmt …
Wow, was für tolle Texte!
Ganz besonders am Gateless Writing ist die Art des Feedbacks. Jeder Teilnehmer kann seinen Text vorlesen, die Anderen hören aufmerksam zu. Anschließend melden sie ausschießlich das zurück, was sie berührt hat. Also Textstellen, die nachklingen, Bilder, die im Gedächtnis bleiben, Sätze, die etwas auslösen.
Für mich war das eine spannende – und wohltuende – Erfahrung. Nicht, weil ich kritisches Feedback ablehne – im Gegenteil. Als Lektorin weiß ich, wie wichtig es ist. Aber diese Woche hat mir gezeigt, wie viel Kraft darin liegen kann, zuerst wahrzunehmen, was bereits funktioniert. Was schon da ist. Welche Bilder wirken. Welche Sätze Menschen berühren.
[...]
Paris als Stadt der Geschichten
Natürlich habe ich in Paris nicht nur geschrieben. Immer wieder zog es mich hinaus in die Stadt, die Inspirationen auf Schritt und Tritt bereit hält. Ich habe zwei wundervolle Ausstellungen besucht, die Nuit blanche miterlebt und die Installation von JR auf der Pont Neuf gesehen.
Vor allem aber habe ich Orte aufgesucht, die mit Literatur verbunden sind. Im Moment lese ich „Die Buchhändlerin von Paris“ von Kerri Maher. Darin wird die Geschichte von Sylivia Beach erzählt, die 1919 in Paris die Buchhandlung Shakespeare and Company eröffnet , James Joyces „Ulysses“ veröffentlicht und überhaupt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle in der Literaturszene gespielt hat. Im 5. und 6. Arrondissement von Paris finden sich etliche Zeugnisse aus dieser Zeit, und so bin ich dort auf den Spuren der sogenannten Lost Generation gewandelt.
[...]
Auch unter den anderen Teilnehmenden des Workshops drehte sich vieles um Literatur. Von meiner Mit-Schreibenden Susanne Pohl habe ich gleich zwei Buchtipps erhalten, beide Bücher stammen von Lauren Elkin. In „Flaneuse“ nimmt die Autorin ihre LeserInnen mit auf Spaziergänge durch New York, Tokio, Venedig und vor allem Paris. Und in „Nr. 91/92“ sieht und beschreibt sie Paris von den Buslinien Nr. 91 und 92 aus. Die Bücher sind noch auf dem Weg zu mir, und ich freue mich schon sehr darauf, Paris bequem vom Sofa aus erkunden zu können.
Die Schreibreise nach Paris hat mir wieder sehr bewusst gemacht: Geschichten verändern unsere Wahrnehmung von Orten. Wer einen Roman gelesen hat, sieht eine Stadt mit anderen Augen. Plötzlich werden Straßen zu Schauplätzen. Häuser erzählen Geschichten. Und aus einem einfachen Spaziergang wird eine literarische Entdeckungsreise. [...]
Quelle: https://lektorin-bettina.de/was-ich-als-autorin-in-paris-gelernt-habe/
Der Veranstaltungsort
Schreibreise nach Paris
Eine Schreibwoche in der Stadt der Literatur! Am Seineufer, in Straßencafés und verwinkelten Gassen findet dich die Inspiration wie von selbst. Diese Schreibreise verbindet angeleitete Schreibrunden und literarische Streifzüge in der Stadt mit stärkenorientiertem Textfeedback in der Gruppe. Ob Romanszene, Kurzgeschichte oder Reisetagebuch: Die Schreiborte und angebotetenen Impulse lassen inhaltlich und stilistisch viel Raum. Für alle geeignet, die gern schreiben.
Termine und weitere Informationen
Für das Angebot sowie die Bilder, Texte und Links auf dieser Seite ist ausschließlich dieser Anbieter verantwortlich.
Weitere Kurse / Reisen dieses Anbieters
Anbieter
Christine Kämmer
Schreibworkshops
Floridsdorfer Hauptstr. 40/3/16
1210 Wien
Österreich
Telefon: +43(0)699-170 623 98
E-Mail: info@christinekaemmer.com
christinekaemmer.com
Für das Angebot sowie die Bilder, Texte und Links auf dieser Seite ist ausschließlich dieser Anbieter verantwortlich.
Weitere Kurse / Reisen dieses Anbieters
Kontakt
Für Ihre Fragen an den Anbieter:
Bitte geben Sie Ihre Postanschrift an, wenn Sie keine Tel-Nr. oder E-Mail-Adresse eintragen möchten.
Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden.
Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung und Beantwortung meiner Anfrage benutzt.
Mit dem Absenden des Kontaktformulars erkläre ich mich mit der Verarbeitung einverstanden.
Geschenkgutscheine
Das ganz besondere Geschenk: Weit über 1.000 kreative Kurse und Reisen jährlich. Bestellen Sie jetzt!

3 Motive zur Auswahl, Betrag ab 30 Euro frei wählbar.
Merkzettel
Dieses Angebot auf den Merkzettel setzen
ATELIER Marina Birkert
D-24340 Eckernförde (Ostseeküste - Schleswig-Holstein)
Bildhauer-Workshop in der Villa Rogaia in Umbrien
Landschaftsmalerei -
30390 Theziers (Provence)
Tanzurlaub im Olivenhain
